Barbra Streisand, 84, wird beim Cannes Filmfestival die Ehrenpalme verliehen. Doch die Künstlerin kann sie nicht wie geplant persönlich abholen. Sie muss ihren Besuch bei der Abschlusszeremonie am 23. Mai absagen. Dies gab das Festival in einer Mitteilung bekannt. "Auf Anraten meiner Ärzte kann ich, da ich mich noch von einer Knieverletzung erhole, dieses Jahr leider nicht am Filmfestival von Cannes teilnehmen", ließ Barbra Streisand in dem Statement ausrichten.
"Es ist mir jedoch eine große Ehre, die Ehren-Palme d'Or zu erhalten, und ich hatte mich sehr darauf gefreut, die bemerkenswerten Filme der 79. Ausgabe zu feiern", heißt es weiter in Streisands Botschaft. Die Sängerin und Schauspielerin zählt zu den wenigen Künstlern, die sowohl auf der Bühne als auch auf der Leinwand unvergessliche Spuren hinterlassen haben. Mit ihrer tiefen Stimme und ihrer beeindruckenden Wandlungsfähigkeit prägte sie über sechs Jahrzehnte die Unterhaltungsbranche.
Hintergrund: Die Ehrenpalme von Cannes
Die Ehrenpalme (Palme d'Or d'Honneur) wird seit 2002 an bedeutende Persönlichkeiten der Filmindustrie verliehen. Sie ist eine Sonderauszeichnung des Internationalen Filmfestivals von Cannes und ehrt Lebenswerke oder besondere Beiträge zum Kino. Zu den bisherigen Preisträgern zählen Größen wie Jane Fonda, Jean-Pierre Léaud, Agnès Varda, und in jüngster Zeit auch Jodie Foster und Forest Whitaker. Die Auszeichnung ist eine Ausnahme von der Regel, dass die Goldene Palme nur für Wettbewerbsfilme vergeben wird. Mit der Ehrung von Barbra Streisand würdigt das Festival eine Frau, die nicht nur als Schauspielerin und Sängerin, sondern auch als Regisseurin und Produzentin Maßstäbe setzte.
Barbra Streisand war bereits mehrfach in Cannes zu Gast. 1969 präsentierte sie den Film "Hello, Dolly!" außerhalb des Wettbewerbs. 1983 war sie mit "Yentl" im Wettbewerb vertreten – ein Film, bei dem sie selbst Regie führte und die Hauptrolle spielte. Es war ihr Regiedebüt und ein mutiges Projekt, das Themen wie Geschlechterrollen und kulturelle Identität aufgriff. 1990 kehrte sie mit "The Prince of Tides" zurück, für den sie erneut Regie führte und eine Oscar-Nominierung als beste Hauptdarstellerin erhielt. Ihre Verbindung zu Cannes ist also tief und vielfältig.
Die abgesagte Reise und die Reaktion des Festivals
Das Festival bedauerte die Absage, betonte aber, dass die Ehrung selbstverständlich stattfinden werde. "In diesem Jahr wollen wir unbedingt einer Künstlerin Tribut zollen, die durch die Kraft ihrer Kunst und ihr kompromissloses Streben nach Freiheit Geschichte geschrieben hat", erklärte die Präsidentin des Filmfestivals von Cannes, Iris Knobloch, im März 2026. Festivaldirektor Thierry Frémaux würdigte Streisand als "legendäre Synthese zwischen Broadway und Hollywood". Die Festivalleitung betont zudem, dass ihr beispielloser Erfolg in der Branche beinahe verblasst gegenüber ihrem immensen Einfluss auf die Popkultur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Die Verleihung der Ehrenpalme wird am Samstag, dem 23. Mai 2026, während der Abschlussgala zelebriert. Barbra Streisand wird per Videobotschaft zugeschaltet sein, wie Festivalquellen verlauten ließen. Die Zeremonie wird live im französischen Fernsehen übertragen und auch auf dem offiziellen YouTube-Kanal des Festivals gestreamt. Es ist das erste Mal seit der Corona-Pandemie, dass eine Ehrenpalme an eine abwesende Person verliehen wird, was die außergewöhnlichen Umstände unterstreicht.
Barbra Streisands Karriere im Überblick
Geboren am 24. April 1942 in Brooklyn, New York, begann Barbra Streisand ihre Karriere als Sängerin in Nachtclubs und erlangte 1963 mit ihrem Album "The Barbra Streisand Album" erste Grammy-Erfolge. Ihr Durchbruch als Schauspielerin gelang ihr 1968 mit der Hauptrolle in "Funny Girl", für die sie den Oscar als beste Hauptdarstellerin erhielt. Sie war erst 26 Jahre alt und hatte zuvor kaum Filmerfahrung. In den folgenden Jahrzehnten prägte sie eine Vielzahl von Filmen wie "The Way We Were", "A Star Is Born" (1976) – für den sie einen Oscar für den besten Song bekam – und "Funny Lady". Sie gewann zwei Oscars, zehn Grammys, fünf Emmys und einen Tony Award – ein sogenannter EGOT-Status, den nur wenige Künstler erreichen. Ihr Erfolg als Regisseurin mit "Yentl", "The Prince of Tides" und "The Mirror Has Two Faces" brachte ihr weitere Nominierungen und Respekt in der Branche ein.
Streisand war auch politisch aktiv, unterstützte die Demokratische Partei und setzte sich für Bürgerrechte und Frauenrechte ein. Ihr Anwesen in Malibu war Schauplatz vieler Spendenaktionen. Sie veröffentlichte 2023 ihre Autobiografie "My Name Is Barbra", die zum Bestseller wurde. Die Knieverletzung, die sie nun zur Absage zwang, ereignete sich Berichten zufolge bei einem Sturz in ihrem Haus im Februar 2026. Seitdem befindet sie sich in physiotherapeutischer Behandlung und kann nur eingeschränkt reisen. Ihr Arzt riet von der langen Flugreise nach Cannes ab, um Komplikationen zu vermeiden.
Weitere Ehrungen in Cannes 2026
Neben Barbra Streisand wird in Cannes auch Peter Jackson für sein Lebenswerk gewürdigt. Der "Herr der Ringe"-Regisseur erhielt die Ehrenpalme bereits im Rahmen der Eröffnungsfeier am 12. Mai. Jackson, der auch für seine Arbeiten an "King Kong" und "They Shall Not Grow Old" bekannt ist, bedankte sich in einer emotionalen Rede und betonte die Bedeutung des Kinos für die Bewahrung der Geschichte. Überraschend wurde auch John Travolta mit einem Ehrenpreis bedacht. Der Schauspieler erhielt diesen, als er in Cannes seine erste Regiearbeit "Propeller One-Way Night Coach" vorstellte. Der Film feierte seine Premiere außerhalb des Wettbewerbs. Travolta, der mit "Saturday Night Fever", "Grease" und "Pulp Fiction" Filmgeschichte schrieb, zeigte sich sichtlich gerührt und widmete den Preis seinem verstorbenen Co-Star Olivia Newton-John.
Diese drei Ehrungen unterstreichen die Bandbreite an Talenten, die das Festival 2026 würdigt: Von der Broadway-Legende Streisand über den Fantasy- Regisseur Jackson bis zum Popkultur-Ikonen Travolta. Das Programm der 79. Filmfestspiele ist umfangreich und bietet 22 Wettbewerbsfilme, darunter neue Werke von Wes Anderson, Pedro Almodóvar und dem deutschen Regisseur Christian Petzold. Die Nebenreihen "Un Certain Regard" und die "Quinzaine des Réalisateurs" zeigen vielversprechende Nachwuchsfilme aus aller Welt.
Die Bedeutung von Cannes für die Filmindustrie
Das Internationale Filmfestival von Cannes gilt als eines der wichtigsten Filmereignisse der Welt. Seit seiner Gründung 1946 (mit Unterbrechungen) dient es als Schaufenster für außergewöhnliche Filme und als Marktplatz für den internationalen Filmhandel. Die Verleihung der Goldenen Palme ist die höchste Auszeichnung, aber auch die Ehrenpalme hat sich als begehrte Anerkennung etabliert. Für viele Künstler ist ein Auftritt in Cannes ein Karrierehöhepunkt. Die Absage Streisands ist daher eine Enttäuschung für ihre Fans in Europa, doch das Festival zeigt, dass die Ehrung nicht an die physische Anwesenheit gebunden ist.
Die Stadt Cannes an der französischen Riviera verwandelt sich während der zweiwöchigen Festspiele in ein Mekka des Films. Hotels sind ausgebucht, Prominente flanieren über den roten Teppich, und die Paparazzi jagen nach Schnappschüssen. Die diesjährige Ausgabe findet unter dem Motto "Kino der Vielfalt" statt – ein Bekenntnis zu Diversität vor und hinter der Kamera. Die Ehrenpalme für Barbra Streisand symbolisiert diese Vielfalt, da sie als Frau, als Jüdin und als Künstlerin, die sich über Genregrenzen hinwegsetzte, eine einzigartige Position einnimmt.
Die 84-Jährige hat in der Vergangenheit mehrfach ihre gesundheitlichen Einschränkungen öffentlich gemacht. In ihrer Autobiografie schrieb sie über Knieprobleme, die sie bereits in den 1990er Jahren plagten. Dennoch trat sie bis zuletzt gelegentlich bei Benefizkonzerten auf. Ihre Fans hoffen, dass sie sich bald erholt und vielleicht nächstes Jahr persönlich nach Cannes reisen kann. Die Festivalleitung hat bereits signalisiert, dass die Einladung für 2027 gilt, falls Streisand bis dahin reisefähig ist.
Der Verzicht auf die Reise ist nicht nur eine persönliche Enttäuschung für Streisand, sondern auch ein Verlust für das Festival. Ihre Präsenz hätte zweifellos für Glanz und mediale Aufmerksamkeit gesorgt. Dennoch wird die Ehrung vorgenommen, und eine Videobotschaft der Künstlerin wird in der Abschlussgala gezeigt. So bleibt die Würdigung ihres Schaffens dennoch sichtbar. Die Welt des Films drückt Barbra Streisand die Daumen für eine schnelle Genesung.
Source: gala.de News