Chappell Roan ist zweifellos in der Musikwelt angekommen. Die Sängerin, die mit bürgerlichem Namen Kayleigh Rose Amstutz heißt, hat sich über die Zeit hinweg zu einer der aufregendsten Künstlerinnen des Jahres entwickelt. Ihre Songs „Good Luck, Babe“ und „Red Wine Supernova“ erfreuen sich sowohl innerhalb als auch außerhalb der LGBTQIA+-Community großer Beliebtheit.
Roan ist auf dem besten Weg, eine bedeutende Queer-Ikone ihrer Generation zu werden. Ihr Debütalbum und die damit verbundenen Erfolge markieren den Beginn einer vielversprechenden Karriere, die sowohl musikalisch als auch kulturell nachhaltig Einfluss nehmen könnte. Die Sängerin selbst bezeichnet sich mittlerweile als „Your Favorite Artist’s Favorite Artist“, also als „die Lieblingskünstlerin deines Lieblingsartists“. Mit einer bevorstehenden Europa-Tournee, die am 31. August 2024 in Berlin beginnt, wird Roan ihre Präsenz in der globalen Musikszene weiter ausbauen. Doch was macht die Musikerin aus? Hier sind zehn Fakten, die man über Chappell Roan wissen sollte.
1. Der Weg zum Künstlernamen
Geboren als Kayleigh Rose Amstutz wählte sie ihren Künstlernamen zu Ehren ihres verstorbenen Großvaters Dennis Chappell und dessen Lieblingslied „The Strawberry Roan“. Der Name „Chappell“ wird dabei wie das englische Wort „Kapelle“ ausgesprochen, während „Roan“ den Namen ihres Großvaters ergänzt. Diese persönliche Hommage zeigt, wie tief ihre familiären Wurzeln in ihrer künstlerischen Identität verankert sind. Der Name ist nicht nur ein Markenzeichen, sondern auch eine ständige Erinnerung an die Menschen, die sie geprägt haben.
2. Kleinstadt und Schweizer Wurzeln
Chappell Roan wuchs in Willard, Missouri, auf – einem idyllischen Ort, der mehr Kühe als Menschen zählt. Diese Kleinstadt mit nur rund 6.000 Einwohnern hat einen prägenden Einfluss auf Roans Musik und bringt eine authentische Perspektive in ihre Arbeit ein. Die ländliche Umgebung und die enge Gemeinschaft haben ihren Blick auf die Welt geformt und verleihen ihren Texten eine besondere Ehrlichkeit. Obwohl sie in den USA geboren wurde, hat Chappell Roan auch Schweizer Wurzeln. Ihr echter Name, Kayleigh Rose Amstutz, stammt aus dem Kanton Nidwalden. Der Name Amstutz ist in der Schweiz bekannt und hat sogar ein Familienwappen. Die schweizerische Herkunft findet sich nicht nur in ihrem Nachnamen, sondern auch in ihrer Musik wieder. In ihrem Song „Guilty Pleasure“ zeigt die Sängerin im Outro ihr Talent für das traditionelle Jodeln – ein eindrucksvoller Beweis für ihre Vielseitigkeit.
3. Betreuerin im Sommercamp
Be\uf6vor sie voll in die Musikszene eintauchte, arbeitete Roan als Betreuerin in einem Sommercamp. Die Zeit im Camp „Interlochen Center for the Arts“ nutzte sie, um ihren Song „Die Young“ zu schreiben, der den Grundstein für ihre Karriere als Musikerin legte. Diese Erfahrung im Camp half ihr nicht nur, ihre musikalischen Fähigkeiten zu entwickeln, sondern auch, wichtige soziale Kompetenzen zu erlernen. Der Song „Die Young“ thematisiert die Vergänglichkeit des Lebens und die Dringlichkeit, seine Träume zu verfolgen – ein Motiv, das sich durch ihr gesamtes Werk zieht.
4. Musikalische Anfänge
Schon mit zwölf Jahren begann sie, Klavier zu spielen. Ihre erste große Anerkennung kam, als sie in der achten Klasse eine Talentshow gewann – ein entscheidender Moment, der ihre Familie auf ihr Talent aufmerksam machte. Bereits im Alter von 17 Jahren wurde Roan unter Vertrag genommen, was ihre Teenagerjahre prägte. Diese frühe Unterstützung durch ihre Familie und die Musikindustrie gab ihr das Selbstvertrauen, ihren Weg konsequent weiterzugehen. Die Kombination aus natürlichem Talent und harter Arbeit hat sie zu der Künstlerin gemacht, die sie heute ist.
5. Ein Umzug, der alles veränderte
Der Umzug nach Los Angeles im Jahr 2018 war ein wichtiger Schritt f\ufcr die Karriere der inzwischen 26-Jährigen. Dem zu Ehren schrieb sie den Song „California“. Er spiegelt die Herausforderungen und das Heimweh wider, die mit diesem großen Schritt verbunden waren. Unter den Fans kursiert die Theorie, dass „California“ einen besonderen Stellenwert auf dem dazugehörigen Album „The Rise and Fall of a Midwest Princess“ hat. Der „Rise“, also der Aufstieg einer Prinzessin aus dem Mittleren Westen, wird verkörpert durch den Track „Pink Pony Club“. Roan besingt in den Zeilen des Songs den Traum von Santa Monica und die Sehnsucht nach etwas Größerem und Besserem. Der „Fall“ der Prinzessin wird dann durch den Song „California“ in den Fokus gerückt. Das Lied thematisiert, wie Kalifornien wirklich ist, dass es schwer und manchmal unmöglich ist, seine Träume dort zu verwirklichen. In „California“ schlägt sie mit der Zeile „No leaves are brown“ außerdem einen Bogen zum Klassiker „California Dreamin‘“ von The Mamas and the Papas.
6. Einfluss der Drag-Kultur
Chappell Roans Bühnenpersona ist laut, bunt und voller Glitzer. Sie bezeichnet sich selbst als Drag-Queen und spielt bewusst mit den Geschlechterrollen. Ihre Auftritte sind spektakulär und extravagant, wie etwa ihr gefeierter Auftritt im Video-Format „Tiny Desk“, bei dem sie in einer XL-Perücke und einem pinken Abschlussballkleid performte. Auch auf dem roten Teppich sorgt sie für Aufsehen – zuletzt bei den Grammys, bei denen sie mit einer Schweinenasen-Prothese auftrat. Chappell Roan ist stark von der Drag-Kultur beeinflusst und sieht sich selbst als Drag-Performerin. Ihre Lieblings-Drag-Queen, Sasha Colby, hat einen großen Einfluss auf ihren Stil und ihre Bühnenpräsenz. In Anbetracht der aktuellen politischen Entwicklungen und Drag-Verbote setzt sich Roan aktiv daf\ufcr ein, ihre Konzerte als sichere Orte für Selbstdarstellung und kreative Entfaltung zu gestalten. Sie sieht es als ihre Aufgabe, eine Umgebung zu schaffen, in der jeder seine Identität ohne Angst vor Verurteilung ausleben kann. Die US-Amerikanerin ist mittlerweile dafür bekannt, „die Lieblingskünstlerin deiner Lieblingsartists“ zu sein. Dieser Spruch, den sie beim Coachella Festival zum ersten Mal verwendete, hat sich schnell auf Social-Media-Plattformen wie TikTok verbreitet. Der Ursprung dieser Selbstbeschreibung liegt in einem Zitat von Sasha Colby, die sich selbst als „die Lieblings-Drag-Queen eurer Lieblings-Drag-Queen“ bezeichnet. Roan, ein großer Fan von Colby, hoffte, dass diese Anspielung auch bei ihrem Vorbild Anklang findet.
7. Durchbruch mit „Pink Pony Club“
Der Song „Pink Pony Club“, der 2020 erschien, war ein entscheidender Meilenstein für Chappell Roan. Produziert von Dan Nigro, kam der Song nach einem Besuch im LGBTQ+-Club „The Abbey“ in Los Angeles zustande. Die enge Zusammenarbeit mit Produzent Dan Nigro, bekannt für seinen Erfolg mit Olivia Rodrigo, hat Roan geholfen, ihren Sound weiter zu verfeinern und zu definieren. Roan sang bereits auf mehreren Stücken von Olivia Rodrigos zweitem Album „GUTS“ und begleitete die Grammy-Gewinnerin auf ihrer Tour. Wenn man genau hinhört, kann man Roans markante Stimme in Songs wie „Lacy“ und „Obsessed“ hören. Im Januar 2024 bestätigte Roan in einem Interview, dass sie auch den Song „Can’t Catch Me Now“ für den Soundtrack von „The Hunger Games“ eingesungen hat. Über die Zusammenarbeit sagte sie: „Dan hat mich gefragt, ob ich Zeit habe, um Harmonien einzusingen. Es ist immer eine Freude, mit Olivia zu arbeiten, da sie offen für neue Klänge ist und mich sehr unterstützt.“
8. Persönliche Herausforderungen
Chappell Roan hat im Jahr 2022 offen über ihre Diagnose von Bipolar II auf Instagram gesprochen. Diese Offenheit über ihre psychische Gesundheit hat ihre Verbindung zu den Fans vertieft. Neben ihrer Musik setzt sich Chappell Roan für soziale Gerechtigkeit ein. Sie hat bereits Einnahmen aus ihren Shows an die trans-Community-Supporter von „For the Gworls“ gespendet. Ihre enge Beziehung zu Olivia Rodrigo hat Roan auch durch schwierige Zeiten geholfen. In einem Interview mit „The Independent“ im Dezember 2023 sprach Roan über ihre Erfahrungen mit Online-Mobbing und wie sie sich bei Rodrigo Rat holte. „Olivia meinte, dass niemand wirklich die Antworten auf solche Herausforderungen hat“, so Roan. „Es war tröstlich zu hören, dass sich jeder mit ähnlichen Problemen auseinandersetzen muss, egal wie erfolgreich er oder sie ist.“
9. Ablehnung der Einladung ins Weiße Haus
Bei ihrem Auftritt beim Governor’s Ball in New York erklärte Roan, dass sie eine Einladung zum Pride Month im Weißen Haus abgelehnt habe. Die Ablehnung war politisch motiviert, wie sie während ihres Auftritts verkündete: „Wir wollen Gerechtigkeit und Freiheit für alle. Wenn ihr das erreicht, dann komme ich“, verkündete sie, als Freiheitsstatue verkleidet, auf der Bühne. Diese klare Haltung zeigt, dass Roan nicht bereit ist, ihre Überzeugungen für eine symbolische Geste zu opfern. Sie fordert echte Veränderungen und setzt sich konsequent für die Rechte der LGBTQIA+-Community ein.
10. Der Erfolg ihres Debütalbums
Ihr Debütalbum „The Rise and Fall of a Midwest Princess“, das im September 2023 veröffentlicht wurde, erreichte 2024 die Top Ten der Billboard 200. Die Auftritte bei Musikfestivals trugen maßgeblich zu diesem Erfolg bei. 17 Wochen nach Veröffentlichung erreichte das Album den Gipfel der Charts, unterstützt durch den anhaltenden Erfolg von Roans Single „Good Luck Babe“. Auch die jüngste Veröffentlichung einer „Popstar Edition“-Vinylpressung hat den Albumverkäufen einen erneuten Schub gegeben. Elton John zeigte sich beeindruckt von Roans Erfolg und gratulierte ihr öffentlich über Instagram zu ihrem ersten Nummer-1-Album im Vereinigten Königreich. In seinem Post bezeichnete er ihre Musik als „brillanten Pop, der die Welt in einer dringend benötigten Zeit zusammenbringt“. Mit dieser Unterstützung von Legenden der Musikbranche ist klar, dass Chappell Roan noch lange nicht am Ende ihres Aufstiegs angelangt ist.
Source: Musikexpress News