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Drake attackiert Kendrick Lamar auf XXL-Veröffentlichung

May 17, 2026  Twila Rosenbaum  25 views
Drake attackiert Kendrick Lamar auf XXL-Veröffentlichung

Der kanadische Rapper Drake hat am Freitag überraschend gleich drei Studioalben auf einmal veröffentlicht. Neben dem lange erwarteten Album Iceman erschienen auch die Platten Habibti und Maid Of Honour – insgesamt 43 neue Songs. Damit setzt der 38-Jährige ein klares Zeichen in der anhaltenden Auseinandersetzung mit Kendrick Lamar, die in den vergangenen Monaten die Hip-Hop-Welt beschäftigt hat.

Drake, mit bürgerlichem Namen Aubrey Drake Graham, gilt seit über einem Jahrzehnt als einer der erfolgreichsten Musiker der Branche. Mit Hits wie God's Plan, In My Feelings und One Dance hat er sich ein Imperium aufgebaut, das von Plattenverkäufen über Streamingrekorde bis hin zu einer eigenen Whisky-Marke reicht. Doch in den letzten Jahren ist der Rapper immer wieder in Fehden verwickelt – die vielleicht prominenteste ist die mit Kendrick Lamar, einem Rapper aus Compton, Kalifornien, der für seine tiefgründigen Texte und seinen Einfluss auf die moderne Hip-Hop-Kultur bekannt ist.

Der Hintergrund des Streits

Die Rivalität zwischen Drake und Lamar ist nicht neu. Bereits Anfang der 2010er Jahre gab es indirekte Sticheleien, die sich in den vergangenen Monaten jedoch massiv verschärft haben. Auslöser war Lamars Diss-Track Not Like Us, der im Mai 2025 veröffentlicht wurde und in dem Lamar Drake unter anderem vorwirft, sich nicht authentisch für die schwarze Community einzusetzen. Der Song wurde ein riesiger Erfolg: Er gewann mehrere Grammys, darunter den für die beste Rap-Performance und den besten Rap-Song, und katapultierte Lamar zurück an die Spitze der Charts. Für Drake hingegen war der Track ein schwerer Schlag – sowohl künstlerisch als auch imagebezogen.

In den Wochen nach der Veröffentlichung von Not Like Us eskalierte der Konflikt. Drake reichte eine Verleumdungsklage gegen sein eigenes Label Universal Music Group ein, dem er vorwarf, Lamars Song künstlich beworben und damit dessen Erfolg gesteuert zu haben. Die Klage sorgte für Aufsehen, da sie ein seltenes Rechtsmittel gegen die eigene Plattenfirma darstellte. Universal Music wies die Vorwürfe zurück und warf Drake Heuchelei vor – schließlich habe er selbst jahrelang von den Werbestrategien des Labels profitiert.

Drakes Angriffe auf den neuen Alben

Auf seinen drei neuen Alben setzt Drake nun direkt zu Konterattacken an. In mehreren Songs greift er Lamar an, insbesondere dessen Umgang mit seiner Herkunft. So wirft Drake Lamar vor, seine Wurzeln in Compton für öffentlichkeitswirksame Wohltätigkeitsprojekte zu nutzen, während er selbst längst ein Promi-Leben in luxuriösen Vororten führt. Diese Linie zieht sich durch mehrere Tracks und wird von Medien wie der BBC aufgegriffen.

Weitere Zeilen richten sich gegen Lamars behauptete Erfolgszahlen. So deutet Drake laut dem Musikmagazin Rolling Stone an, dass die Streamingzahlen von Lamars Songs künstlich aufgebläht worden seien – ein Vorwurf, der in der Musikindustrie immer wieder auftaucht, aber schwer zu beweisen ist. Drake spielt damit auf die Vermutung an, dass Labels mithilfe von Bots oder Playlists die Zahlen manipulieren könnten, um Künstler populärer erscheinen zu lassen.

Doch Drake beschränkt sich nicht nur auf Lamar. Auch Basketballstar LeBron James bekommt sein Fett weg. Im Song Make Them Remember zielt Drake auf James ab, der während des Rap-Streits ein Konzert von Lamar besucht hatte. Drake deutet an, dass James sich damit auf die falsche Seite geschlagen habe – eine Anspielung auf die langjährige Freundschaft zwischen Drake und James, die durch diesen Schritt angeblich belastet worden sei. Das Hip-Hop-Medium Hot97 interpretierte mehrere Zeilen zudem als Angriffe auf Jay-Z, den legendären Rapper und Geschäftsmann, der als einflussreicher Förderer Lamars gilt. Drake werfe Jay-Z vor, seine Machtposition in der Branche zu missbrauchen.

Persönliche Töne und gemischte Reaktionen

Neben den direkten Attacken enthält das Album auch überraschend persönliche Passagen. Im Eröffnungssong von Iceman rappt Drake über seinen Vater Dennis Graham, der an Krebs erkrankt ist. Er spricht über die mentale Belastung, den Druck rund um die neuen Tracks, die Folgen des Lamar-Streits und das Älterwerden. Die britische Zeitung The Independent nannte diesen Song eine seltene Bruchstelle in Drakes „diamantenbesetzter Rüstung“ – ein Moment der Verletzlichkeit, den man vom sonst so selbstbewussten Rapper kaum kennt.

Trotz dieser emotionalen Momente fielen die ersten Kritiken gemischt aus. Viele Rezensenten bemängelten die schiere Menge von 43 Songs. „Exzessiv“ sei der Umfang, zitierte die BBC die Musikjournalistin Mary Mandefield. „Quantität führt nicht immer zu Qualität“, hieß es sinngemäß in mehreren Medienberichten. Das Album wirke aufgebläht und unausgeglichen, so der Tenor. Während einige Tracks eingängige Beats und scharfe Wortgefechte böten, verlören sich andere in Längen und Wiederholungen.

Besonders Habibti – ein Album mit arabischem Titel, das sich an ein internationales Publikum richtet – stieß auf gemischte Reaktionen. Kritiker lobten die Integration von Weltmusik-Elementen, bemängelten jedoch, dass die Texte oft klischeehaft und oberflächlich wirkten. Maid Of Honour hingegen wurde als das experimentellste der drei Werke beschrieben, mit starken Einflüssen aus dem UK-Grime und elektronischer Musik, aber auch hier fehlte es an straffen Strukturen.

Die PR-Aktion in Toronto

Für Aufmerksamkeit hatte Drake schon vorab mit einer aufwendigen PR-Aktion in seiner Heimatstadt Toronto gesorgt. In der Innenstadt ließ er eine fast acht Meter hohe Eis-Installation aufbauen, in der das Veröffentlichungsdatum von Iceman versteckt war. Fans wurden eingeladen, den Eisblock mit Spitzhacken, Hämmern und sogar Lötbrennern zu bearbeiten, um das Datum freizulegen. Das Event zog Hunderte Neugierige an, bis schließlich Polizei und Feuerwehr einschreiten mussten. Die Sicherheitsbehörden befürchteten Verletzungen durch herabfallende Eisbrocken und unkontrollierte Werkzeuge. Glücklicherweise wurde niemand verletzt, aber die Aktion rief gemischte Reaktionen hervor: Während einige Fans die kreative Inszenierung feierten, kritisierten andere sie als unnötig riskant.

Karrierekontext und Ausblick

Drake hat sich im Laufe seiner Karriere mehrfach als Meister der Vermarktung erwiesen. Sein Aufstieg begann 2009 mit der Mixtape-Serie So Far Gone, gefolgt von seinem Debütalbum Thank Me Later. Seitdem hat er zahlreiche Nummer-eins-Hits produziert und Rekorde gebrochen, darunter die meisten Top-10-Songs in der Geschichte der Billboard Hot 100. Seine Fähigkeit, Trends zu setzen und mit Fehden öffentlich umzugehen, hat ihm eine treue Fangemeinde gesichert. Doch die aktuelle Konfrontation mit Lamar könnte eine der größten Herausforderungen seiner Laufbahn sein.

Lamar, der ebenfalls zu den einflussreichsten Rappern seiner Generation zählt, hat mit Not Like Us nicht nur einen kommerziellen Erfolg gelandet, sondern auch das Narrativ des Streits für sich vereinnahmt. Drakes Versuche, die Deutungshoheit zurückzugewinnen, könnten langfristig scheitern, wenn die Alben nicht die erhoffte positive Resonanz erhalten. Die ersten Anzeichen sind nicht eindeutig: Während Streamingzahlen in den ersten Stunden nach Veröffentlichung durchaus beachtlich waren, deutet die gemischte Kritik darauf hin, dass Drake ohne starke redaktionelle Disziplin agiert hat.

Die Hip-Hop-Welt wird nun gespannt beobachten, wie Lamar auf die neuen Tracks reagieren wird. Sollte er mit weiteren Diss-Tracks kontern, könnte der Streit weiter eskalieren. Drake hingegen hat mit der gleichzeitigen Veröffentlichung von drei Alben ein Risiko eingegangen: Er spielt auf Sieg – oder auf Überwältigung durch Masse. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob diese Strategie aufgeht oder ob die Kritiker Recht behalten, die das Werk als zu voluminös und inkonsistent bezeichnen.

Unabhängig von der künstlerischen Qualität ist Drakes Schritt ein klares Signal an die Branche: Er lässt sich nicht unterkriegen. Die persönlichen Textpassagen zeigen einen verletzlichen Rapper, der aber gleichzeitig angriffslustig bleibt. Es bleibt abzuwarten, ob diese Mischung aus Emotionalität und Aggression beim Publikum ankommt. Fest steht: Der Sommer 2025 wird in der Hip-Hop-Szene von diesem Dreifach-Album und den damit verbundenen Fehden geprägt sein.


Source: Spiegel News


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