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Die 100 besten Musiker aller Zeiten: The Byrds – Essay von Tom Petty

May 18, 2026  Twila Rosenbaum  2 views
Die 100 besten Musiker aller Zeiten: The Byrds – Essay von Tom Petty

Tom Petty, der legendäre Frontmann der Heartbreakers, hat einen bewegenden Essay über die Byrds verfasst – eine Band, die für ihn zu den 100 besten Musikern aller Zeiten zählt. In seinem Text schildert er die bleibende Erinnerung an den ersten Moment, als er „Mr. Tambourine Man“ im Radio hörte: der Klang der 12-saitigen Rickenbacker-Gitarre und der unglaubliche Chorgesang ließen ihn nicht mehr los. Petty betont, dass die Byrds nicht nur eine der ersten wirklich gelungenen Antworten auf die British Invasion waren, sondern auch den Folkrock – wie wir ihn heute kennen – maßgeblich prägten. Darüber hinaus führten sie als erste Country-Elemente in die Rockmusik ein und trugen wesentlich zur Popularität Bob Dylans bei.

Die Geburtsstunde des Folkrock

Die Byrds formierten sich 1964 in Los Angeles aus der lokalen Folkszene. Roger McGuinn, David Crosby, Gene Clark, Chris Hillman und Michael Clarke – die klassische Urbesetzung – verbanden traditionelle Folkharmonien mit dem energetischen Drive des Rock’n’Roll. Die 12-saitige Rickenbacker, von McGuinn im Fingerpicking-Stil gespielt, verlieh dem Sound eine glockenhelle Klarheit, die bis heute unverwechselbar ist. Petty erinnert sich an ein Gespräch mit McGuinn: Der Gitarrist habe den Sound aus dem Beatles-Song „A Hard Day’s Night“ übernommen, aber durch sein Banjo-Spiel eine eigene Note eingebracht. Diese Mischung aus Folk und Beat wurde zum Markenzeichen der Band.

Der Durchbruch: „Mr. Tambourine Man“

Der gleichnamige Debütsong, eine Coverversion eines Bob-Dylan-Stücks, erschien im April 1965 und erreichte Platz eins der US-Charts. Das Arrangement – McGuinns Rickenbacker-Riff, die mehrstimmigen Gesänge der Band und ein treibender Rhythmus – definierte den Folkrock neu. Petty hebt hervor, dass die Byrds Dylan überhaupt erst einem breiten Publikum zugänglich machten. Dylan selbst war von der Interpretation begeistert und begann daraufhin, mit einer elektrischen Band zu arbeiten. Die Byrds antworteten noch im selben Jahr mit „Turn! Turn! Turn!“, einem weiteren Nummer-eins-Hit, der auf einem biblischen Text aus dem Buch Prediger basierte. Das Lied wurde zur Hymne einer ganzen Generation.

Der Weg zum Countryrock

Nachdem Gene Clark die Band verlassen hatte, wandten sich die Byrds zunehmend der Countrymusik zu. Das Album „Sweetheart of the Rodeo“ (1968) gilt heute als Geburtsstunde des Countryrock. Petty betont, dass die Band damit Neuland betrat: Sie mischten Country-Twang mit Rock-Attitüde und beeinflussten Künstler wie Crosby, Stills & Nash, die Eagles und nicht zuletzt Tom Petty selbst. „Die Byrds repräsentierten Los Angeles genau wie die Beach Boys, sie waren nur das Gegenstück – L.A.s abgedrehte Beatniktruppe“, schreibt Petty. Diese Bohème-Haltung spiegelte sich auch in ihrer Kleidung wider: „Sie waren die bestangezogene Band weit und breit“, stellt Petty fest und verleiht dem Ganzen eine augenzwinkernde Note.

Einfluss auf die Beatles und andere

Die Byrds waren die einzige Band, mit der die Beatles sich einen musikalischen Austausch leisteten. George Harrison gab offen zu, dass sein Song „If I Needed Someone“ eine Adaption von „The Bells of Rhymney“ der Byrds war. Die gegenseitige Bewunderung führte zu einem kreativen Dialog, der die Popmusik der sechziger Jahre bereicherte. Petty weist darauf hin, dass die Byrds in ihrer kurzen Blütezeit die Welt veränderten – obwohl sie eigentlich keine typischen Rockstars waren. Chris Hillman kam vom Bluegrass, McGuinn hatte in Folkgruppen und mit Bobby Darin gearbeitet, David Crosby und Gene Clark stammten aus der Coffeehouse-Szene. Sie mussten sich erst mühsam das Rock’n’Roll-Spielen beibringen, ein Prozess, den Petty als „Haufen Folkies, die rauskriegen wollen, wie man die Leute zum Tanzen bringt“ beschreibt.

Tom Pettys persönliche Inspiration

Für Tom Petty waren die Byrds einer der Hauptgründe, überhaupt eine eigene Band zu gründen. Er sah sie einmal beim West Palm Beach Pop Festival, gemeinsam mit den Rolling Stones. „Am Anfang war das die Grundidee der Heartbreakers – wir wollten eine Mischung aus den Byrds und den Stones sein“, erinnert er sich. Diese Fusion aus folkigem Harmoniegesang und härterem Rock’n’Roll prägte den Sound der Heartbreakers und später auch von Pettys Solowerken. Die Byrds zeigten ihm, dass man mit Kreativität und einem eigenen Stil große Erfolge erzielen konnte, ohne sich den gängigen Klischees zu beugen.

Wichtige Alben und Meilensteine

Neben den bereits genannten Hits veröffentlichten die Byrds eine Reihe einflussreicher Alben. „Fifth Dimension“ (1966) enthielt mit „Eight Miles High“ einen psychedelischen Klassiker, der wegen angeblicher Drogenbezüge von Radiosendern boykottiert wurde. „Younger Than Yesterday“ (1967) zeigte die Band experimentierfreudig mit Jazz- und Folk-Einflüssen. „The Notorious Byrd Brothers“ (1968) war ein frühes Konzeptalbum, das mit Studiotechniken wie Phaser und Flanger spielte. Nach den Aufnahmen zu „Sweetheart of the Rodeo“ verließ Gram Parsons die Band, doch die Byrds machten weiter und veröffentlichten bis 1973 weitere Alben, darunter das starke „Untitled“ (1970) mit dem Live-Klassiker „Lover of the Bayou“.

Die Bandmitglieder und ihre späteren Karrieren

Nach der Auflösung der Byrds gingen die Mitglieder getrennte Wege, die alle von der Band geprägt waren. Roger McGuinn veröffentlichte Soloalben und tourte weiter, David Crosby wurde Teil von Crosby, Stills & Nash, Chris Hillman gründete die Flying Burrito Brothers und später die Desert Rose Band. Gene Clark verfolgte eine Solokarriere, die oft unterschätzt wird, aber mit Alben wie „No Other“ (1974) einen eigenen Kultstatus erreichte. Michael Clarke war zeitweise als Schlagzeuger bei den Flying Burrito Brothers und in anderen Projekten aktiv. Jeder von ihnen trug ein Stück des Byrds-Erbes weiter.

Kritische Würdigung und Fortleben

Die Byrds werden in der Rockhistorie häufig als die Band bezeichnet, die den Folkrock erfand und den Countryrock vorbereitete. Ihr Einfluss reicht von den Beatles über die Eagles bis hin zu Bands wie R.E.M. und Wilco. Die Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame erfolgte 1991. Tom Pettys Essay ist eine persönliche Hommage an eine Gruppe, die für ihn weit oben schwebt – unsterblich, weil sie so hoch flog. Sein Text endet nicht mit einer Zusammenfassung, sondern mit der reinen Begeisterung für den Klang der 12-saitigen Rickenbacker und den unglaublichen Chorgesang. Und genau das ist es, was die Byrds ausmacht: eine Musik, die immer noch frisch klingt und Generationen inspiriert.


Source: MSN News


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